Der Zugewinnausgleich – das sollten Sie wissen!

Ausgleich des Zugewinns – das Wichtigste in K√ľrze

Leben Ehepartner im gesetzlichen G√ľterstand der Zugewinngemeinschaft, ist regelm√§√üig bei Scheidung der Ehe auf Antrag ein gegenseitiger Ausgleich des Zugewinns zu berechnen. Der Zugewinn ist dabei der Verm√∂genszuwachs, der w√§hrend der Ehezeit eingetreten ist.

  • Zugewinngemeinschaft als Regelfall des gesetzlichen G√ľterstandes unter Eheleuten
  • Ausgleich des Zugewinns wird bei Scheidung einer Ehe/Lebenspartnerschaft auf Antrag durchgef√ľhrt
  • Beendigungsgr√ľnde Tod und Scheidung
  • Vorzeitige Aufhebung einer Zugewinngemeinschaft durch Wechsel des G√ľterstandes mit Ehevertrag m√∂glich
  • Ausgleich auf tats√§chlich vorhandenes Verm√∂gen begrenzt

Was heißt Zugewinnausgleich?

Während einer Ehe verändert sich die vermögensrechtliche Situation von Eheleuten ständig, weil sie laufend mehr Vermögen erwirtschaften oder Vermögen verlieren. Ein möglicher Zugewinn an Vermögen spielt keine Rolle, solange die Ehe oder Lebenspartnerschaft besteht. Denn entgegen einer weit verbreiteten Annahme bleiben die Vermögen von Eheleuten auch in der Zugewinngemeinschaft während der Ehe getrennt und ebenso später beim jeweils Berechtigten in seinem Eigentum.

Erst mit einer Scheidung oder dem Tod eines Ehepartners wird die Frage des sogenannten Zugewinns wichtig. Haben die Eheleute keine anderen Vereinbarungen durch einen Ehevertrag getroffen, gilt f√ľr sie in der Ehe der gesetzliche G√ľterstand der Zugewinngemeinschaft. Mit einer Scheidung oder dem Tod eines Partners kommt diese Zugewinngemeinschaft zu einem Ende.

Jetzt muss speziell bei der Scheidung ein sehr differenzierter Ausgleich beim Zugewinn durchgef√ľhrt werden, wenn ein entsprechender Antrag von dem Ausgleichsberechtigten gestellt wird. H√§ufig ist es hier so, dass ein Ehepartner w√§hrend der Ehezeit einen h√∂heren Verm√∂genszuwachs zu verzeichnen hat als der andere. Im G√ľterstand der Zugewinngemeinschaft kann nun der Ehegatte, der weniger Verm√∂genszuwachs hatte, vom anderen¬†Ausgleich verlangen. Sein Anspruch bel√§uft sich auf die H√§lfte dessen, was der andere Mehr an Verm√∂genszuwachs hatte.

 

Was zählt als Zugewinn in der Ehe?

In aller Regel vermehren beide Ehepartner oder zumindest einer von beiden das Verm√∂gen w√§hrend der Ehezeit. Zum Verm√∂gen k√∂nnen etwa Wertpapiere, Versicherungen, Bankguthaben, unter Umst√§nden aber auch Immobilien und Grundst√ľcke sowie Firmen z√§hlen. Auch, wenn w√§hrend der Ehezeit Schulden getilgt werden, kann es sich dabei um einen Verm√∂genszuwachs handeln. Als Zugewinn wird die Differenz bezeichnet, die sich aus dem Endverm√∂gen eines Partners bei Beendigung der Ehe und seinem Anfangsverm√∂gen bei der Heirat ergibt. F√ľr den gesetzlichen G√ľterstand der Zugewinngemeinschaft geht der Gesetzgeber davon aus, dass beide Ehepartner je zur H√§lfte am Verm√∂genszuwachs teilhaben sollen.

 

Wie definieren sich Anfangs- und Endvermögen?

ZugewinnausgleichBei einem Ausgleich von Zugewinn werden die Gesamtverm√∂gen der Ehegatten miteinander verglichen. Es geht um die Bestimmung des Verm√∂genszuwachses w√§hrend der Ehezeit. Um die Differenz zwischen dem Anfangs- und Endverm√∂gen f√ľr jeden einzelnen Partner bestimmen zu k√∂nnen, m√ľssen diese beiden Gr√∂√üen bekannt sein.

Beim Anfangsverm√∂gen geht es um den Verm√∂genstand bei der Eheschlie√üung. Das Gesetz definiert das so: Das Anfangsverm√∂gen ist das Verm√∂gen, das einem Ehegatten nach Abzug der Verbindlichkeiten beim Eintritt des G√ľterstands verbleibt.

Die Verm√∂gensgegenst√§nde wie zum Beispiel Sparb√ľcher, Bankunterlagen oder auch Schulden m√ľssen nachgewiesen werden.¬† H√§ufig besteht bei der Feststellung zum Anfangsverm√∂gen die Schwierigkeit, dass keine Aufzeichnungen mehr zu der Verm√∂genssituation des einzelnen Ehepartners bei Heirat bestehen. Dann wird das Anfangsverm√∂gen auf null gesetzt. Ein Anfangsverm√∂gen kann auch negativ sein, wenn beispielsweise ein Ehegatte bei der Eheschlie√üung nur Schulden hatte oder der Schuldenbetrag sein restliches Verm√∂gen √ľberstiegen hat. Wichtig ist, dass Erbschaften und Schenkungen bei einem Zugewinnausgleich in aller Regel au√üen vor bleiben sollen. Sie werden nicht zum Anfangsverm√∂gen hinzugerechnet, sogar wenn sie erst nach der Eheschlie√üung erworben wurden.

Der Zugewinnausgleich soll sich am Ende tatsächlich nur auf das während der Ehezeit gemeinsam erworbene Vermögen beziehen.

Dem Endverm√∂gen wird alles hinzugerechnet, was an Verm√∂genswerten bei Zustellung des Scheidungsantrages an den anderen Ehepartner vorhanden ist. Schulden werden abgezogen.¬† Auch zum Endverm√∂gen gibt es eine gesetzliche Definition: Endverm√∂gen ist das Verm√∂gen, das einem Ehegatten nach Abzug der Verbindlichkeiten bei der Beendigung des G√ľterstands verbleibt. Verbindlichkeiten werden √ľber die H√∂he des Verm√∂gens hinaus abgezogen.

Es spielt grundsätzlich keine Rolle, woher das Vermögen stammt, das am Ende der Ehezeit vorhanden ist.

So kann beispielsweise auch ein Lottogewinn zum Endverm√∂gen z√§hlen, selbst, wenn der Gewinnfall erst l√§ngere Zeit nach einer Trennung dem einen Ehegatten zuf√§llt. Nicht zum Endverm√∂gen z√§hlen Lebensversicherungen, die der Altersvorsorge dienen und deshalb dem Versorgungsausgleich zugerechnet werden. Auch das Endverm√∂gen kann negativ sein, wenn der entsprechende Partner nur Schulden hat oder diese die √ľbrigen Verm√∂genswerte √ľbersteigen.

 

Wie berechnet sich der Zugewinn?

F√ľr die Berechnung des Zugewinnausgleichs gilt als Stichtag der Tag der Zustellung des Scheidungsantrages an den anderen Ehegatten. Es kommt tats√§chlich nur auf die Differenz zwischen Anfangs- und Endverm√∂gen bei jedem einzelnen Ehepartner an, keine Rolle spielt, wer w√§hrend der Ehezeit bestimmte Ausgaben get√§tigt hat. F√ľr die Berechnung ist es au√üerdem uninteressant, ob einer der Ehepartner mehr verdient hat als der andere. Beim Ausgleich werden die Differenzen von Anfangs- und Endverm√∂gen verglichen. Wer mehr auf der Habenseite zu verzeichnen hat, muss die H√§lfte der Zugewinndifferenz an seinen Ehepartner zahlen.

 

Ein Berechnungsbeispiel:

Ehepartner A hatte zum Zeitpunkt der Eheschließung ein Anfangsvermögen von 30.000 EUR. Zum genannten Stichtag beträgt sein Endvermögen 60.000 EUR als Zugewinn. Es ist hier eine Differenz zwischen Anfangs- und Endvermögen von 30.000 EUR zu verzeichnen.

Ehepartner B hatte zum Zeitpunkt der Eheschließung ein Anfangsvermögen von 10.000 EUR. Während der Ehezeit konnte B das Vermögen auf 25.000 EUR vermehren. Hier beträgt der Zugewinn 15.000 EUR.
Vergleicht man die beiden Differenzen berechnet sich ein Überschuss von 15.000 EUR. Ehepartner B könnte die Hälfte dieses Betrages, also 7500 EUR von Ehepartner A im Rahmen des Zugewinnausgleichs verlangen.

Man kann die Berechnung durch die folgende Formel ausdr√ľcken: Zugewinn A – Zugewinn B geteilt durch 2.

 

Kann der Ausgleich des Zugewinns verweigert werden?

Der Ausgleich kann dann verweigert werden, wenn der geforderte Zahlbetrag das tats√§chlich vorhandene Verm√∂gen √ľbersteigt. Das Gesetz sieht vor, dass der Zugewinnausgleich auf das vorhandene Verm√∂gen beschr√§nkt wird. Beispielsweise kann der Ehepartner mit dem h√∂heren Verm√∂genszuwachs nicht dazu verpflichtet werden, zur Durchf√ľhrung des Zugewinnausgleichs einen Kredit aufzunehmen.

Weiterhin kommen ein Ausschluss und damit eine Verweigerung des Zugewinnausgleichs wegen unbilliger Härte in Betracht.

Die Geltendmachung einer unbilligen H√§rte kann zum Tragen kommen, wenn der ausgleichsberechtigte Ehegatte seine ehelichen Pflichten, wie zum Beispiel Unterhaltspflichten √ľber einen l√§ngeren Zeitraum verletzt hat. Auch Gewalt in der Ehe durch den ausgleichsberechtigten Ehegatten und betr√ľgerische Handlungen gegen√ľber dem verpflichteten Ehepartner k√∂nnen eine Verweigerung des Zugewinnausgleichs begr√ľnden.

Der Ausgleich des Zugewinns kann ebenso verweigert werden, wenn der Zugewinn bei beide Ehepartnern gleich groß ist

 

Worum geht es beim Kaufkraftausgleich?

Der Kaufkraftausgleich ist eine wichtige Korrekturgr√∂√üe bei der Berechnung des Anfangsverm√∂gens. In aller Regel ver√§ndert sich die Kaufkraft von Geld, wenn eine gewisse Zeit vergeht. Der Gesetzgeber ber√ľcksichtigt diese Ver√§nderungen bei der Kaufkraft durch eine Indexierung des Anfangsverm√∂gens. Hierzu wird ein einheitlicher Verbraucherindex herangezogen. Dieser wird stets f√ľr einen bestimmten Zeitraum offiziell festgelegt. Man bereinigt das Anfangsverm√∂gen mit folgender Formel:

Anfangsvermögen mal Index des Endstichtages geteilt durch Index des Anfangsstichtages. Daraus ergibt sich das bereinigte Anfangsvermögen.

(AF x IE) / IA = Bereinigtes Anfangsvermögen

Wie kann der Zugewinnausgleich ausgeschlossen oder abgeändert werden?

Die Ehepartner k√∂nnen durch bestimmte Vereinbarungen die Zugewinnsituation ver√§ndern. Beispielsweise k√∂nnen sie vom G√ľterstand der Zugewinngemeinschaft durch notariellen Ehevertrag in den G√ľterstand einer G√ľtertrennung oder G√ľtergemeinschaft wechseln. Auch k√∂nnen Vereinbarungen zu bestimmten Gegenst√§nden getroffen werden, die aus der Berechnung des Zugewinns und dessen Ausgleich herausgehalten werden sollen. Ebenso ist¬† die Pauschalierung eines Zugewinnausgleichs im Vorhinein¬† m√∂glich. Allerdings m√ľssen s√§mtliche genannten vertraglichen Vereinbarungen notariell beurkundet werden.

In besonderen F√§llen kann der Ausgleich des Zugewinns schon vor dem Erreichen des Endstichtages durch Zustellung des Scheidungsantrages an den anderen Ehepartner verlangt werden. Dies ist zum Beispiel in F√§llen m√∂glich, in denen etwa in einer sehr streitigen Trennungs- und Scheidungsphase eine besonders lange Trennungszeit besteht und zu bef√ľrchten ist, dass der potenziell ausgleichspflichtige Ehepartner sein Verm√∂gen vor Erreichen des Endstichtages verschwendet und mutwillig verbraucht.

 

Muss der Zugewinnausgleich in einer Summe gezahlt werden?

Im Regelfall sieht das Gesetz die Zahlung des Ausgleichsbetrages beim Zugewinn in einer Summe vor. In Ausnahmef√§llen kann der zur Zahlung verpflichtete Ehepartner eine Stundung der Forderung vor Gericht beantragen. Er darf das, wenn die sofortige Zahlung des Gesamtbetrages unter Ber√ľcksichtigung beider Interessen f√ľr ihn unzumutbar ist. Hier ist also gegeneinander abzuw√§gen, dass der sofortige Ausgleich in einer Summe f√ľr den ausgleichspflichtigen Ehepartner eine besondere H√§rte bedeutet, w√§hrend dem anderen Ehepartner eine gewisse Wartezeit zugemutet werden kann. Es kommt dabei ganz auf die Umst√§nde des einzelnen Falles an.

F√ľr den Antrag auf Stundung ist die Beauftragung einer Kanzlei und eines Familienrechtsanwalts sinnvoll, sobald sich Anhaltspunkte f√ľr eine unzumutbare H√§rte ergeben.

Beispielsweise kann die sofortige Zahlung in einem Betrag unzumutbar sein, wenn dadurch das Unternehmen des ausgleichspflichtigen Ehepartners in seinem Bestand gef√§hrdet wird. Diese Modifikation bei der Zahlung muss allerdings in jedem Fall gerichtlich festgestellt werden, wenn sie g√ľltig sein soll.

 

Wird der Zugewinnausgleich begrenzt?

Begrenzt ist der Ausgleichsbetrag auf das tats√§chlich vorhandene Verm√∂gen. Dem verpflichteten Ehepartner wird nicht zugemutet, zur Erf√ľllung des Ausgleichsanspruchs neue Schulden aufzunehmen. Vielfach ergeben sich durch Schuldentilgung w√§hrend der Ehezeit hohe Ausgleichsbetr√§ge auf dem Papier, die aber nicht dem tats√§chlich vorhandenen Verm√∂gen zum Endstichtag entsprechen. Eine Ausnahme von dieser Begrenzung kann bestehen, wenn der ausgleichspflichtige Ehepartner sein Verm√∂gen verschwendet hat. Der Nachweis einer solchen Verschwendung gelingt nur in seltenen F√§llen.

Weiterhin können die Ehepartner durch notarielle vertragliche Vereinbarung den Ausgleichsbetrag selbst begrenzen.

 

Gibt es eine Auskunftspflicht?

Nicht selten verweigert sich bei Scheidung einer der Ehepartner der Berechnung des Zugewinns. Eine Berechnung kann nur durchgef√ľhrt werden, wenn entsprechende Daten des anderen Ehepartners vorliegen. Um an die Infos √ľber das Verm√∂gen des Ehepartners zu gelangen, kann der Antragssteller vom anderen Ehegatten Auskunft verlangen. Dieser ist dann gesetzlich zur Auskunftserteilung verpflichtet. Regelm√§√üig geht ein solches Auskunftsverlangen nach √úbermittlung der entsprechenden Informationen in eine Berechnung der Zugewinnbetr√§ge √ľber und m√ľndet in der Folge in eine Zahlungsaufforderung ein.

 

Verjährt der Anspruch auf Zugewinnausgleich?

Der Anspruch auf Ausgleich des Zugewinns verjährt in der gesetzlichen Frist von drei Jahren. Die Dreijahresfrist beginnt mit dem Schluss des Jahres zu laufen, in dem der Anspruch auf Ausgleich entstanden ist. Bestimmte Ereignisse unterbrechen oder hemmen die Verjährung wie etwa die Erhebung einer Stufen- oder Leistungsklage, so dass zur genauen Feststellung der Verjährungsfrist eine Beratung in einer Anwaltskanzlei empfehlenswert ist.

 

Welche G√ľterst√§nde werden unterschieden und was ist in der Ehe der Regelfall?

F√ľr Eheleute sind verschiedene G√ľterst√§nde m√∂glich. Der G√ľterstand beschreibt die entsprechende Verm√∂genszurechnung in einer Ehe oder Lebenspartnerschaft. Wenn die Eheleute keinen Ehevertrag schlie√üen, gilt automatisch der gesetzliche G√ľterstand der Zugewinngemeinschaft mit dem m√∂glichen antragsgebundenen Ausgleich von Zugewinn bei Beendigung der Ehe. Auch in der Zugewinngemeinschaft werden die Verm√∂gen der Eheleute w√§hrend der Ehezeit getrennt gehalten. Das unterscheidet diesen G√ľterstand von der G√ľtergemeinschaft. Bei der G√ľtertrennung als Wahlg√ľterstand durch Ehevertrag bleibt die Trennung der Verm√∂gen auch √ľber das Ende der Ehe hinaus so vollst√§ndig bestehen, dass auch keine Berechnung eines Zugewinns und kein Ausgleich desselben stattfindet. Auch in der Zugewinngemeinschaft bleiben die Einzelverm√∂gen bei den Partnern, aber man betrachtet am Ende den erwirtschafteten Zugewinn w√§hrend der Ehe.

 

Was ist eine Scheidungsfolgenvereinbarung?

Eine Scheidungsfolgenvereinbarung weist eine gewisse √Ąhnlichkeit mit einem Ehevertrag auf. Mit einer vertraglichen Vereinbarung regeln die Eheleute hier die Folgen einer Scheidung. Das erspart in vielen F√§llen langwierige gerichtliche Auseinandersetzungen. In der Scheidungsfolgenvereinbarung geht es im Wesentlichen um die Verbindlichkeiten nach einer Scheidung. Sie wird h√§ufig mit einer Trennungsvereinbarung verbunden.

Trennungs- und Scheidungsfolgenvereinbarungen können regelmäßig formfrei geschlossen werden. Wollen allerdings die Ehepartner auch den Zugewinn und seinen Ausgleich in einer Scheidungsfolgenvereinbarung regeln, muss die Vereinbarung notariell beurkundet werden.

 

Was versteht man unter einer modifizierten Zugewinngemeinschaft?

Eine Zugewinngemeinschaft wird modifiziert, wenn die Ehepartner in einem notariell beurkundeten Vertrag von der gesetzlichen Regelung abweichende Vereinbarungen treffen. Beispielsweise können einzelne Gegenstände aus dem Zugewinn herausgenommen werden. Es können Pauschalen vereinbart oder der Ausgleich des Zugewinns auf den Todesfall begrenzt werden.

 

Gehört ein Erbe zum Zugewinn?

alter Mann beerbt seinen SohnSolange die Parteien nichts anderes vereinbaren, geht der Gesetzgeber davon aus, dass ein Erbe, das einem Ehepartner w√§hrend der Ehezeit zuf√§llt, diesem allein zusteht. Diese Betrachtung folgt schon daraus, dass im gesetzlichen G√ľterstand einer Zugewinngemeinschaft kein gemeinsames Verm√∂gen gebildet wird. Jeder Ehepartner bleibt grunds√§tzlich Eigent√ľmer seines eigenen Verm√∂gens. Damit f√§llt in der Regel das Erbe auch nicht in den Ausgleich des Zugewinns bei einer Scheidung.

Der Ausgleich von Zugewinn zielt von seiner Natur her auf den Ausgleich eines während der Ehe erwirtschafteten Vermögens ab. Durch ein Erbe zugefallenes Vermögen wird nicht als erwirtschaftet betrachtet. Um das Erbe dem  Ausgleich zu entziehen, bedient man sich einer Fiktion. Auch, wenn der Erbfall erst während der Ehezeit eingetreten ist, wird die Erbschaft so behandelt, als sei sie bereits bei der Eheschließung vorhanden gewesen. Das Erbe wird also dem Anfangsvermögen zugerechnet. Es soll im Zugewinnverfahren grundsätzlich neutral bleiben.

Ausnahmen f√ľr diese Neutralit√§t ergeben sich aus Wertsteigerungen des Erbes, etwa bei Immobilien. Solche Wertzuw√§chse bei geerbten Immobilien, die beispielsweise durch entsprechende allgemeine Steigerungen im Immobilienmarkt oder aber durch umfangreiche Sanierungen am Objekt entstehen, stellen erwirtschaftetes Verm√∂gen und damit Zugewinn dar. Sie sind deshalb im Zugewinnausgleich auch zu ber√ľcksichtigen.

 

Zählen Häuser und Immobilien zum Zugewinn?

Bei der Betrachtung von Immobilien im Rahmen des Zugewinns kommt es nicht darauf an, ob beide Ehepartner im Grundbuch als Eigent√ľmer eingetragen sind oder nur einer. Entscheidend f√ľr die Ber√ľcksichtigung von Immobilien ist die Frage, ob eine Wertsteigerung stattgefunden hat. Auch hier steht im Hintergrund wieder das Ziel des Gesetzgebers, beide Ehepartner von m√∂glichen Verm√∂genszuw√§chsen – hier in Form von Wertzuw√§chsen bei Immobilien – profitieren zu lassen. Im Zusammenhang mit Immobilien im Ausgleich von Zugewinn k√∂nnen sich verschiedene komplexe Fallgestaltungen ergeben. Wird etwa die gemeinsame Immobilie im Rahmen der Scheidung verkauft, k√∂nnen sich Ausgleichszahlungen aufheben. Der Verkaufserl√∂s wird nach Abzug entsprechender Verbindlichkeiten aufgeteilt und inklusive des Zugewinns an die Beteiligten ausgezahlt.

 

Zugewinn im Todesfall – was gilt?

Auch der Tod eines Ehepartners stellt einen Beendigungstatbestand f√ľr eine Ehe dar. Hier spielt Zugewinn im Rahmen der Erbfolge und der Verteilung des Erbes eine Rolle. Der Ausgleich des Zugewinns wird in diesem Fall realisiert, in dem das gesetzliche Erbteil des √ľberlebenden Ehepartners um ein Viertel der Erbschaft erh√∂ht wird. Stirbt einer der Ehepartner, findet also keine einzelne und detaillierte Berechnung eines Zugewinnausgleichs statt. Vielfach wird hier von der „erbrechtlichen L√∂sung“ f√ľr den Zugewinn gesprochen.

 

Was versteht man beim Thema Zugewinn unter einem privilegierten Erwerb?

Wie bereits f√ľr Erbf√§lle beschrieben, betrachtet der Gesetzgeber bestimmte Zuw√§chse nicht als erwirtschaftet im Sinne des Zugewinnausgleichs. Wie Erbschaften werden auch Schenkungen und Aussteuergegenst√§nde betrachtet, die als pers√∂nliche Zuwendungen an einen Ehepartner gelten. Man spricht hier von einem privilegierten Erwerb, der mangels abweichender Vereinbarungen zwischen den Ehepartnern nicht mit in den Ausgleich eines Zugewinns einbezogen werden soll. Ein privilegierter Erwerb kann auch vorliegen, wenn er in Form eines Kaufvertrages als Zuwendung mit R√ľcksicht auf ein k√ľnftiges Erbrecht erfolgt. Privilegierter Erwerb wird regelm√§√üig dem Anfangsbestand des¬† berechtigten Ehepartners zugeschlagen, auch wenn sich die Zuwachsentwicklungen erst w√§hrend der Ehezeit ergeben haben. Bei einem privilegierten Erwerb sollen beim Zugewinn nur Wertzuw√§chse ber√ľcksichtigt werden, wenn, wie bereits geschildert, etwa ein Grundst√ľck an Wert gewonnen hat.

Wichtig ist, dass der Gesetzgeber den privilegierten Erwerb beim Zugewinnausgleich auf Erbschaften, Schenkungen und Aussteuer beschr√§nkt. Die Aufz√§hlung ist abschlie√üend und kann nicht beliebig erweitert werden. Daraus folgt, dass beispielsweise Lottogewinne keinen privilegierten Erwerb darstellen. Auch Schenkungen der Eheleute untereinander sind nicht privilegiert. Solche Zuwendungen unterfallen dem ausgleichsf√§higen Zugewinn. Weiterhin sind Zuwendungen, die Verbrauchszwecken dienen, ebenfalls nicht privilegiert. Wird einem Ehepartner beispielsweise Geld f√ľr eine Urlaubsreise zugewendet, dient diese Zuwendung Konsumzwecken und ist ausgleichsf√§higer Zugewinn im Zugewinnausgleich.

Bodo Heuser

Der Fachanwalt f√ľr Familienrecht und Erbrecht ist seit √ľber 20 Jahren erfolgreich in K√∂ln aktiv und hat f√ľr dutzende Mandanten sehr gute Erfolge vor Gericht erzielt. Er hilft Ihnen dabei, Ihren Fall kompromisslos und ergebnisorientiert vor Gericht durchzusetzen.